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Medienecho

12.03.2013, 17:55 Uhr

Soester Anzeiger: Adler-Richtlinie: Heimische Politiker bei Merkel

WESTFALEN/BERLIN - Mit Hilfe der Kanzlerin soll ein umstrittener Erlass des Bundesinnenministers abgemildert werden, damit der Schützenadler nicht zur Taube mutiert.

Adler-Richtlinie: Heimische Politiker bei Merkel

WESTFALEN/BERLIN - Mit Hilfe der Kanzlerin soll ein umstrittener Erlass des Bundesinnenministers abgemildert werden, damit der Schützenadler nicht zur Taube mutiert.

Nach einer schon für die neue Saison verbindlichen „Schießstandrichtlinie“ darf der hölzerne Adler, auf den bei Schützenfesten traditionell geschossen wird, nur noch einen 8 statt 15 Zentimeter dicken Rumpf haben. Die Schützenvereine, allen voran der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften sowie der rheinische und westfälische Schützenbund lehnen diese Richtlinie ab. Künftig könne der Adler nun viel schneller abfallen, befürchten die Schützen. Bislang seien 500 bis 600 Schuss notwendig, bis der Adler in Fetzen fliege. Das Bundesinnenministerium macht dagegen Sicherheitsprobleme geltend. So bestehe die Gefahr, dass Kugeln bei einer Materialstärke von 15 Zentimetern abprallen. In ihrem aktuellen Protestschreiben an den Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) beteuern die Verbände jedoch, dass es seit Jahrzehnten keine besonderen Vorkommnisse gegeben habe.

Die fragliche Schießstandrichtlinie gilt bereits seit ihrer Veröffentlichung im Bundesanzeiger am 23. Oktober vergangenen Jahres. Im Wesentlichen richtet sie sich an Sportschützen, aber eben auch die Schützen, die sich der Brauchtumspflege verschrieben haben. Und bei denen regt sich erst seit Beginn dieses Monats der Widerstand, als ihnen klar wurde, was die Auflagen für Folgen haben könnten.

„Das ist eher eine Taube als ein Adler“, sagte der Oberst des Kreisschützenbundes Brilon, Dieter Braun. Denn aus einem so kleinen Kern könnten die Vogelbauer keinen Adler mit einer Spannweite von mehr als 1,5 Metern mehr bauen. „Wenn diese Schießstandrichtlinie wirklich umgesetzt werden muss, dann können wir gleich aufs Schützenfest verzichten.“

Denn ein derart behördlich gerupfter Adler würde beim ersten Treffer komplett von der Stange fallen. „Da müsste sich der Pastor vom Bischof die Absolution holen, Schützenkönig werden zu dürfen. Denn spätestens beim zweiten Ehrenschuss fällt der Vogel“, sagt Braun. „Wenn nicht vorher schon der Bürgermeister alljährlich beim ersten Schuss König wird.“

Dass das Bundesinnenministerium ihren Vogel rupfen will, hat bei den Schützen das Fass zum Überlaufen gebracht. „Wir sind sowieso gebeutelt genug mit der Gema, dem Nichtraucherschutz und der neu angeordneten Festzug-Absicherung“, sagt Braun. Nun haben die Schützen verbal zurückgeschossen. Und im politisch schwarzen Sauerland haben sie mit ihren Bundestags- und Landtagsabgeordneten schon einige Fürsprecher gefunden, die ihre Botschaft nun bis ins Kanzleramt getragen haben.

Später ließ das Bundesinnenministerium wissen: „Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Absicht, das traditionelle Vogelschießen zu gefährden. Das Ministerium sucht derzeit nach Möglichkeiten, Tradition und Sicherheit gleichermaßen Rechnung zu tragen und eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden, mit der das traditionelle Vogelschießen ermöglicht werden kann.“ - red

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